Auf einen Blick
- Ein Datenraum ist die geordnete Sammlung aller Objektunterlagen, meist digital, auf die geprüfte Interessenten nach einer Vertraulichkeitserklärung Zugriff bekommen.
- Vorlauf: Für ein vermietetes Mehrfamilienhaus brauchen Eigentümer nach unserer Erfahrung 4-8 Wochen, bis alle Unterlagen vorliegen. Behördenauskünfte sind der langsamste Teil.
- Haftung: Was offengelegt ist, kann der Käufer später kaum als verschwiegenen Mangel geltend machen (§ 442 BGB). Der Datenraum schützt also vor allem Sie.
- Mieterdaten sind personenbezogen. Mietverträge gehen erst geschwärzt und vollständig erst in der Exklusivphase in den Datenraum.
- Seit 2026 gilt für alle Gewerbemietverträge die Textform. Nachträge per E-Mail sind damit wirksam und gehören genauso in den Datenraum wie das unterschriebene Original.
Der Kaufpreis wird im Exposé verhandelt. Verteidigt wird er im Datenraum. Jede Lücke, die der Käufer dort findet, landet als Abschlag, Einbehalt oder Garantie im Kaufvertrag.
In diesem Beitrag steht, was in den Datenraum gehört, wo Sie es in Berlin bekommen und in welcher Reihenfolge Sie es angehen.
Was ist ein Datenraum, und wer bekommt Zugang?
Ein Datenraum ist ein geschützter Ordner, heute fast immer eine Online-Plattform mit Rechteverwaltung und Zugriffsprotokoll. Zugang bekommen nur Interessenten, die eine Vertraulichkeitserklärung unterschrieben und ihre Finanzierung plausibel gemacht haben.
Das Protokoll ist mehr als Technik. Es zeigt, wer welches Dokument wann geöffnet hat. Im Bieterverfahren wissen Sie so, welcher Interessent ernsthaft prüft und wer nur mitläuft. Im Streitfall belegt es, dass ein Dokument zugänglich war.
Bei kleineren Objekten genügt manchmal ein sauber nummerierter Ordner, den der Käufer per Link erhält. Ab einem Wohn- und Geschäftshaus oder mehreren Interessenten parallel ist eine Plattform mit Q&A-Funktion der bessere Weg.
Welche Unterlagen gehören in den Datenraum?
Die Liste unten gilt für ein vermietetes Wohn- oder Geschäftshaus in Berlin im Asset Deal. Beim Share Deal kommen die Gesellschaftsunterlagen dazu.
Wo Sie Baulastenverzeichnis und Bodenbelastungskataster abfragen und was die Auskünfte kosten, steht im Beitrag Baulast, Altlasten und Wegerecht prüfen.
| Bereich | Unterlage | Bezugsstelle in Berlin |
|---|---|---|
| Recht | Grundbuchauszug, aktuell | Grundbuchamt beim zuständigen Amtsgericht |
| Recht | Baulastenverzeichnis, Auskunft | Bauaufsicht des Bezirksamts |
| Recht | Teilungserklärung und Abgeschlossenheitsbescheinigung, falls aufgeteilt | Grundbuchamt, Bauaufsicht |
| Recht | Lage im Erhaltungsgebiet (Milieuschutz), Sanierungsgebiet | Stadtentwicklungsamt des Bezirks |
| Technik | Baugenehmigungen, genehmigte Grundrisse, Flächenberechnung | Bauaktenarchiv des Bezirks, eigene Unterlagen |
| Technik | Energieausweis nach GEG | Aussteller, eigene Unterlagen |
| Technik | Instandhaltungshistorie mit Rechnungen der letzten 10 Jahre | Hausverwaltung |
| Technik | Wartungsverträge (Heizung, Aufzug, Brandschutz) | Hausverwaltung |
| Umwelt | Auskunft Bodenbelastungskataster | Umwelt- und Naturschutzamt des Bezirks |
| Miete | Mieterliste mit Ist- und Sollmiete, Fläche, Mietbeginn, Kaution | Hausverwaltung |
| Miete | Mietverträge und alle Nachträge, auch per E-Mail | Hausverwaltung |
| Miete | Betriebskostenabrechnungen der letzten 3 Jahre, offene Rückstände | Hausverwaltung |
| Miete | Mieterhöhungen, Modernisierungsankündigungen, laufende Verfahren | Hausverwaltung, Anwalt |
| Kosten | Grundsteuerbescheid nach neuem Recht (ab 2025), Versicherungspolice | Finanzamt, Versicherer |
| Kosten | Hausverwaltervertrag, Darlehensverträge mit Vorfälligkeitsregeln | eigene Unterlagen, Bank |
| Wert | Bodenrichtwert mit Stichtag 1. Januar 2026 | BORIS Berlin |
| Nur Share Deal | Gesellschaftsvertrag, Jahresabschlüsse, Steuerbescheide, Gesellschafterbeschlüsse | Steuerberater, Handelsregister |
Quellen: eigene Datenraumlisten Berlin First; Zuständigkeiten nach Berliner Bezirksverwaltung; Energieausweispflicht nach Gebäudeenergiegesetz; Bodenrichtwerte über BORIS Berlin, Stichtag 01.01.2026.
Die Mieterliste ist das Dokument, das jeder Käufer als erstes öffnet. Sie muss mit den Mietverträgen und den Kontoauszügen übereinstimmen. Weicht die Sollmiete in der Liste von der Miete im Vertrag ab, ist das kein Tippfehler mehr, sondern eine Frage, die den ganzen Datenraum verdächtig macht.
Wie lange dauert es, einen Datenraum aufzubauen?
Nach unseren Vermarktungen rechnen Sie mit 4-8 Wochen für ein vermietetes Mehrfamilienhaus, länger bei Gewerbe oder mehreren Objekten. Die eigenen Unterlagen sind oft in einer Woche zusammen. Die Behördenauskünfte nicht.
Baulastenauskunft, Bauakteneinsicht und Bodenbelastungskataster laufen über die Bezirksämter. Die Bearbeitungszeiten unterscheiden sich je Bezirk und Jahreszeit erheblich. Belastbare Durchschnittswerte veröffentlichen die Bezirke nicht, deshalb beantragen wir diese Auskünfte als erstes, noch bevor das Exposé steht.
Ein fehlender Grundriss ist ärgerlich. Eine fehlende Baugenehmigung für das ausgebaute Dachgeschoss ist ein Preisthema. Wer sie erst im Datenraum des Käufers entdeckt, verhandelt aus der schlechteren Position.
Was prüft der Käufer in der Due Diligence?
Due Diligence ist die strukturierte Prüfung des Objekts durch den Käufer und seine Berater, bevor er verbindlich bietet. Sie hat vier Teile.
Rechtlich: Grundbuch, Lasten in Abteilung II und III, Baulasten, Vorkaufsrechte, Mietverträge auf Laufzeit, Kündbarkeit und Formfehler.
Technisch: Zustand von Dach, Fassade, Leitungen und Heizung, Abgleich der gebauten mit der genehmigten Fläche. Bei größeren Objekten mit Gutachter vor Ort.
Wirtschaftlich: Mieterliste gegen Verträge und Zahlungseingänge, Mietrückstände, nicht umlagefähige Kosten, Abstand der Ist- zur ortsüblichen Vergleichsmiete. Daraus rechnet der Käufer seinen Faktor neu.
Steuerlich: beim Asset Deal vor allem Umsatzsteuer bei gewerblich genutzten Flächen, beim Share Deal die gesamte steuerliche Historie der Gesellschaft. Den Unterschied der beiden Wege erkläre ich im Beitrag Asset Deal oder Share Deal.
Bei größeren Objekten lohnt eine Vendor Due Diligence: Sie lassen die Prüfung vorab selbst erstellen und legen den Bericht in den Datenraum. Das kostet Geld. Es verkürzt aber die Prüfphase jedes Bieters und nimmt dem Käufer die Möglichkeit, Befunde als Überraschung zu verkaufen.
Schützt der Datenraum vor Haftung?
Zum großen Teil. Nach § 442 BGB kann der Käufer Mängel nicht geltend machen, die er beim Kauf kannte. Was nachweislich im Datenraum stand, gilt in der Regel als bekannt. Kaufverträge regeln das ausdrücklich: Der Datenraum-Index wird Anlage zum Vertrag, der Inhalt geht als Datenträger zum Notar.
Die Grenze zieht § 444 BGB. Wer einen Mangel arglistig verschweigt, haftet trotz Haftungsausschluss. Ein Dokument tief in einem Unterordner abzulegen, damit es niemand findet, ist kein Offenlegen. Wesentliche Punkte gehören zusätzlich in ein Begleitschreiben oder in die Q&A-Liste.
Dazu kommt der Datenschutz. Mietverträge, Mieterlisten mit Namen und Zahlungsrückstände sind personenbezogene Daten. Bis zur Exklusivphase reichen anonymisierte Mieterlisten und geschwärzte Musterverträge. Vollständige Verträge sieht nur der Bieter, mit dem Sie verhandeln.
Worauf achten Investoren bei Gewerbemietverträgen?
Auf die Form. Bis Ende 2024 brauchten Gewerbemietverträge mit mehr als einem Jahr Laufzeit die Schriftform nach § 550 BGB. Fehlte sie, war der Vertrag vorzeitig kündbar. Seit dem 1. Januar 2025 genügt für neue Verträge die Textform, seit dem 2. Januar 2026 auch für Altverträge.
Für den Datenraum heißt das zweierlei. Erstens bleiben Formmängel aus der Zeit vor der Umstellung relevant, wenn sie nie in Textform geheilt wurden. Zweitens können heute E-Mails einen Mietvertrag wirksam ändern. Ein Käufer, der nur das unterschriebene Original sieht, kennt den Vertrag nicht. Lassen Sie die Hausverwaltung den gesamten Schriftverkehr je Gewerbemieter sichten. Mehr dazu im Beitrag Gewerbeimmobilie verkaufen in Berlin.
In welcher Reihenfolge bauen Sie den Datenraum auf?
- 01Behördenauskünfte zuerst beantragen. Baulasten, Bauakte, Bodenbelastungskataster. Sie bestimmen die Gesamtdauer, wer hier wartet, verliert Wochen.
- 02Mieterliste mit der Hausverwaltung abgleichen. Liste gegen Verträge gegen Kontoauszüge. Jede Abweichung jetzt erklärt spart eine Rückfrage im Bieterverfahren.
- 03Flächen prüfen. Genehmigte gegen tatsächliche Flächen, besonders bei ausgebauten Dachgeschossen und umgenutzten Gewerbeeinheiten.
- 04Instandhaltung belegen. Rechnungen der letzten 10 Jahre nach Gewerk sortiert. Ein neues Dach ohne Rechnung ist für den Käufer ein altes Dach.
- 05Index anlegen. Jedes Dokument mit Nummer, Titel, Datum. Der Index wird später Anlage zum Kaufvertrag.
- 06Zugriffsstufen festlegen. Stufe 1 nach Vertraulichkeitserklärung, Stufe 2 mit vollständigen Mietverträgen erst in der Exklusivphase.
- 07Q&A-Prozess vorbereiten. Ein Ansprechpartner, eine Frist für Antworten, alle Antworten für alle Bieter sichtbar, soweit sie nicht vertraulich sind.
Ihre Unterlagen, Ihr Preis
Wenn Sie nicht selbst Bezirksämter, Hausverwaltung und Steuerberater koordinieren wollen, sprechen wir in einem kostenlosen und unverbindlichen Erstgespräch darüber, was für Ihr Objekt fehlt und wie lange es dauert.
Kostenlose Beratung anfragenHäufige Fragen
Brauche ich für ein einzelnes Mehrfamilienhaus überhaupt einen Datenraum?
Ja, in irgendeiner Form. Ein Investor kauft kein vermietetes Haus ohne Mieterliste, Mietverträge und Betriebskostenabrechnungen. Ob als Plattform oder als geordneter Ordner, entscheidet die Zahl der Interessenten.
Wer zahlt den Datenraum?
Der Verkäufer. Plattformkosten hängen von Laufzeit und Datenmenge ab. Bei einem Mandat mit Berlin First ist der Aufbau des Datenraums Teil der Vermarktung.
Was passiert, wenn ich ein Dokument nicht finde?
Benennen Sie die Lücke offen im Datenraum. Eine erklärte Lücke kostet meist weniger als eine, die der Käufer selbst findet. Viele Unterlagen lassen sich über Bauaktenarchiv oder Hausverwaltung nachbeschaffen.
Dürfen Interessenten Unterlagen herunterladen?
Das legen Sie fest. Üblich ist in der ersten Stufe nur Ansicht, in der Exklusivphase auch Download. Das Zugriffsprotokoll zeigt in jedem Fall, wer was geöffnet hat.
Über den Autor
Geschrieben von
Roberto Perrone
CEO, Berlin First Immobilien
Roberto Perrone ist Immobilienexperte bei Berlin First und begleitet seit 30 Jahren Verkäufe von Zinshäusern, Wohn- und Geschäftshäusern und Portfolios in Berlin und Brandenburg.

