Auf einen Blick
- Büromarkt Berlin Q3 2026: Leerstand 10,6 %, Durchschnittsmiete 27,70 €/m², Spitzenmiete 49,00 €/m². Die Spitzenmiete liegt beim 1,8-Fachen des Durchschnitts.
- Bodenrichtwerte: Für Büro in Nebenlagen und renditeorientiertes Gewerbe sanken sie zum 1. Januar 2026 um 10-25 %. Toplagen blieben stabil.
- WALT: Die gewichtete Restlaufzeit der Mietverträge bestimmt den Faktor stärker als die Lage. Eine Verlängerung vor dem Verkauf kann mehr bringen als jede Renovierung.
- Textform: Seit 2. Januar 2026 gilt sie für alle Gewerbemietverträge. Alte Schriftformmängel bleiben trotzdem ein Kündigungsrisiko.
- Umsatzsteuer: Wer zur Umsatzsteuer optiert hat, muss beim Verkauf § 15a UStG im Blick haben. Sonst wird Vorsteuer zurückgefordert.
Ein Bürohaus wird nicht nach Quadratmetern verkauft. Es wird nach Mietern verkauft. Wer zahlt, wie lange noch, und was passiert, wenn er geht?
Diese drei Fragen stellt jeder Käufer, bevor er über die Fassade spricht. Ich zeige, wie er rechnet, was der Berliner Markt 2026 hergibt und wo Verkäufer Geld liegen lassen.
Wie steht der Berliner Gewerbemarkt 2026?
Gespalten. Die Vermietung zieht an, die Preise für schwächere Lagen nicht.
Cushman & Wakefield meldet für die ersten drei Quartale 2026 rund 563.800 m² Büroflächenumsatz in Berlin, 54 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Spitzenmiete stieg auf 49,00 €/m². Gleichzeitig liegt der Leerstand bei 10,6 %. Das passt zusammen, wenn man genau hinsieht: Mieter ziehen in moderne Flächen in Mitte, am Potsdamer Platz oder an der Spree und verlassen ältere Bestände in Nebenlagen.
Der Gutachterausschuss bestätigt das auf der Preisseite. Zum 1. Januar 2026 sanken die Bodenrichtwerte für Büronutzung in kerngebietstypischen Nebenlagen und für renditeorientiertes Gewerbe um 10-25 %. Für Wohn- und Geschäftshäuser lag der mittlere Kaufpreis 2025 bei rund 1.755 €/m² wertrelevanter Geschossfläche, 4 % unter dem Vorjahr. Reine Mietwohnhäuser legten im selben Zeitraum um 6 % zu.
| Kennzahl | Wert | Bezug |
|---|---|---|
| Büroflächenumsatz Berlin | rd. 563.800 m² (+54 %) | Q1-Q3 2026 |
| Leerstandsquote Büro | 10,6 % | Ende Q3 2026 |
| Spitzenmiete Büro | 49,00 €/m²/Monat | Ende Q3 2026 |
| Durchschnittsmiete Büro | 27,70 €/m²/Monat | Ende Q3 2026 |
| Bodenrichtwerte Büro Nebenlage, renditeorientiertes Gewerbe | -10 bis -25 % | Stichtag 01.01.2026 |
| Wohn- und Geschäftshäuser, mittlerer Kaufpreis | rd. 1.755 €/m² WGF (-4 %) | 2025 |
| Mietwohnhäuser, mittlerer Kaufpreis | rd. 2.035 €/m² WGF (+6 %) | 2025 |
| Kauffälle Mehrfamilien- und Wohn-/Geschäftshäuser | 127 (-21 %) | Q1 2026 |
Quellen: Cushman & Wakefield, Bürovermietungsmarkt Berlin, 12.10.2026; Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Pressemitteilung zum Immobilienmarktbericht Berlin 2025/2026 des Gutachterausschusses, 31.07.2026.
Für Verkäufer heißt das: Ein vermietetes Objekt in guter Lage mit langer Restlaufzeit findet 2026 Käufer. Ein halb leeres Bürohaus aus den 1990ern in einer Nebenlage findet sie auch, aber zu einem Preis, der den Leerstand und die Sanierung schon abzieht. Für welche Lagen sich die Nachfrage im kommenden Jahr dreht, lässt sich aus den vorliegenden Zahlen nicht ablesen.
Wie berechnet ein Käufer den Preis einer Gewerbeimmobilie?
Über den Ertrag. Die Bewertung folgt dem Ertragswertverfahren, im Gespräch rechnen Käufer aber zuerst mit drei schnellen Kennzahlen.
Faktor: Kaufpreis geteilt durch Jahresnettokaltmiete. Er ist Orientierung, keine Renditeberechnung.
Bruttoanfangsrendite: Jahresnettokaltmiete geteilt durch Kaufpreis. Der Kehrwert des Faktors.
Nettoanfangsrendite: Jahresnettokaltmiete minus nicht umlagefähige Kosten, geteilt durch Kaufpreis plus Erwerbsnebenkosten. Das ist die Zahl, mit der Fonds und Family Offices tatsächlich entscheiden.
Ein Rechenbeispiel, keine Marktaussage. Bürohaus in einer Berliner Nebenlage, drei Mieter, Angebotspreis 9.000.000 €:
| Position | Wert |
|---|---|
| Jahresnettokaltmiete | 600.000 € |
| Faktor (9.000.000 € / 600.000 €) | 15,0 |
| Bruttoanfangsrendite (600.000 € / 9.000.000 €) | 6,67 % |
| nicht umlagefähige Kosten (Verwaltung, Instandhaltung, Leerstandswagnis) | 60.000 € |
| Erwerbsnebenkosten, angenommen 10 % (Grunderwerbsteuer 6,0 %, Notar, Grundbuch, Provision) | 900.000 € |
| Nettoanfangsrendite (540.000 € / 9.900.000 €) | 5,45 % |
Quellen: eigene Beispielrechnung; Grunderwerbsteuer Berlin 6,0 % (Stand 2026). Die Erwerbsnebenkosten sind eine Annahme, die Provision bei Gewerbe ist frei verhandelbar.
Zwischen 6,67 % und 5,45 % liegen 1,22 Prozentpunkte. Diese Lücke ist der Grund, warum sich Verkäufer und Käufer beim gleichen Objekt über den „richtigen Faktor“ streiten. Der Verkäufer denkt brutto. Der Käufer rechnet netto.
Was ist der WALT, und warum zählt er so viel?
WALT steht für Weighted Average Lease Term, die nach Miete gewichtete durchschnittliche Restlaufzeit aller Mietverträge. Je höher der WALT, desto sicherer der Ertrag und desto höher der Faktor, den ein Käufer zahlt.
Für das Bürohaus aus dem Beispiel:
| Mieter | Jahresmiete | Restlaufzeit | Miete × Laufzeit |
|---|---|---|---|
| A, Steuerkanzlei | 300.000 € | 6 Jahre | 1.800.000 € |
| B, Softwarefirma | 200.000 € | 2 Jahre | 400.000 € |
| C, Arztpraxis | 100.000 € | 0,5 Jahre | 50.000 € |
| Summe | 600.000 € | 2.250.000 € |
WALT = 2.250.000 € / 600.000 € = 3,75 Jahre
Quelle: eigene Beispielrechnung.
Ein WALT unter vier Jahren ist für viele institutionelle Käufer ein Ausschlusskriterium. Der Käufer sieht hier nicht 600.000 € Miete. Er sieht 100.000 €, die in sechs Monaten auslaufen können, und 200.000 € in zwei Jahren.
Jetzt der Hebel. Verlängert Mieter A vor dem Verkauf um fünf Jahre, liegt seine Restlaufzeit bei 11 Jahren. Der WALT steigt auf (3.300.000 € + 400.000 € + 50.000 €) / 600.000 € = 6,25 Jahre. An Miete und Fläche hat sich nichts geändert. Am Käuferkreis sehr viel.
Deshalb führen wir Gespräche über Verlängerungen, wo es geht, bevor das Objekt an den Markt geht. Ein Mietnachlass gegen fünf Jahre Laufzeit kann sich im Kaufpreis mehrfach bezahlt machen. Ob er das tut, rechnen wir vorher.
Welche Mietvertragsdetails prüft der Käufer?
Indexierung. Eine Wertsicherungsklausel koppelt die Miete an den Verbraucherpreisindex. Nach § 3 Preisklauselgesetz ist das bei Gewerbemiete zulässig, wenn der Vertrag mindestens zehn Jahre läuft oder der Vermieter so lange auf die ordentliche Kündigung verzichtet. Indexierte Verträge erhöhen den Faktor, weil die Miete mit der Inflation steigt.
Mieterbonität. Ein Bundesland als Mieter ist mehr wert als ein Start-up mit gleicher Miete. Käufer fragen nach Handelsregisterauszug, Jahresabschlüssen und Zahlungshistorie. Mietsicherheiten, also Kaution oder Bürgschaft, gehören mit Höhe und Art in die Mieterliste.
Form. Bis Ende 2024 brauchten Gewerbemietverträge mit mehr als einem Jahr Laufzeit die Schriftform nach § 550 BGB. Ein Formfehler machte sie vorzeitig kündbar. Seit dem 1. Januar 2025 genügt für neue Verträge die Textform, seit dem 2. Januar 2026 auch für alte. Ein ungeheilter Mangel aus der Zeit davor bleibt aber ein Risiko, und heute können schon E-Mails einen Vertrag ändern. Welche Unterlagen deshalb in den Datenraum gehören, steht im Beitrag zum Datenraum beim Immobilienverkauf.
Nebenkosten. Welche Kosten sind auf den Mieter umlegbar, welche nicht? Bei Gewerbe ist das frei verhandelt und steht in jedem Vertrag anders. Die Summe der nicht umlagefähigen Kosten senkt die Nettoanfangsrendite direkt.
Welche Steuern sind beim Verkauf einer Gewerbeimmobilie relevant?
Für Privatpersonen gilt wie bei Wohnimmobilien die Zehnjahresfrist nach § 23 EStG. Danach ist der Gewinn steuerfrei, sofern das Objekt im Privatvermögen liegt und kein gewerblicher Grundstückshandel vorliegt. Liegt es im Betriebsvermögen, ist der Gewinn immer steuerpflichtig.
Der eigentliche Gewerbe-Punkt ist die Umsatzsteuer. Viele Eigentümer haben bei Vermietung an Unternehmer nach § 9 UStG zur Umsatzsteuer optiert, um Vorsteuer aus Bau- oder Sanierungskosten zu ziehen. Für Grundstücke gilt ein Berichtigungszeitraum von zehn Jahren nach § 15a UStG. Verkaufen Sie innerhalb dieses Zeitraums steuerfrei, fordert das Finanzamt anteilig Vorsteuer zurück.
Zwei Wege vermeiden das. Der Verkauf wird als Geschäftsveräußerung im Ganzen nach § 1 Abs. 1a UStG gestaltet, was bei einem vermieteten Objekt mit Übernahme der Mietverträge häufig möglich ist. Oder Sie optieren im notariellen Kaufvertrag auch beim Verkauf zur Umsatzsteuer. Beides muss vor der Beurkundung mit dem Steuerberater geklärt sein. Danach ist es zu spät.
Ob ein Share Deal steuerlich günstiger ist, erkläre ich im Beitrag Asset Deal oder Share Deal. Wer mehrere Objekte verkauft, sollte vorher den Beitrag zur Drei-Objekt-Grenze lesen.
Steuerliche Einordnung, keine Steuerberatung.
Wie verkaufen Sie ein Wohn- und Geschäftshaus richtig?
Getrennt bewertet, gemeinsam verkauft. Ein Haus mit Läden im Erdgeschoss und Wohnungen darüber hat zwei Ertragsquellen mit unterschiedlichem Risiko. Die Wohnmiete ist durch Mietspiegel und Mietpreisbremse begrenzt, aber stabil. Die Gewerbemiete ist frei verhandelt, aber vom einzelnen Mieter abhängig.
Käufer setzen für beide Teile unterschiedliche Liegenschaftszinsen an. Ein leerstehender Laden in der Kantstraße wiegt anders als einer in einer Seitenstraße in Moabit. Wer das Haus mit einem Durchschnittsfaktor anbietet, verkauft den guten Teil unter Wert oder schreckt mit dem schwachen ab.
In welcher Reihenfolge bereiten Sie den Verkauf vor?
- 01Mieterliste aktualisieren. Ist-Miete, Fläche, Restlaufzeit, Indexierung, Sicherheiten. Daraus rechnet jeder Käufer zuerst den WALT.
- 02Verlängerungen prüfen. Wo laufen Verträge in den nächsten 24 Monaten aus? Jede Verlängerung vor Marktgang erhöht den WALT und erweitert den Käuferkreis.
- 03Verträge auf Form prüfen lassen. Altverträge mit Nachträgen und den E-Mail-Verkehr je Mieter. Ein Formmangel, den Sie zuerst finden, lässt sich heilen.
- 04Umsatzsteuer klären. Optiert oder nicht, Berichtigungszeitraum, Geschäftsveräußerung im Ganzen möglich? Das entscheidet über die Kaufvertragsgestaltung.
- 05Energie und Technik dokumentieren. Energieausweis für Nichtwohngebäude, Heizung, Kühlung, Aufzug. Banken finanzieren zunehmend nach Energiekennwerten, Käufer kalkulieren das ein.
- 06Käufergruppe und Verfahren festlegen. Privatanleger, Family Office oder Fonds, Off-Market oder Bieterverfahren. Das bestimmt Exposé, Datenraum und Zeitplan.
Ihre Mieter, Ihr Faktor
Wenn Sie nicht selbst WALT, Nettoanfangsrendite und Umsatzsteuerfragen gegen die Käuferlogik rechnen wollen, sprechen wir in einem kostenlosen und unverbindlichen Erstgespräch über Ihr Objekt und seinen realistischen Faktor.
Kostenlose Beratung anfragenHäufige Fragen
Wie lange dauert der Verkauf einer Gewerbeimmobilie in Berlin?
Je nach Objekt, Mieterstruktur und Verfahren 3-9 Monate für Einzelobjekte, 6-12 Monate für Portfolios und Share Deals. Die Due Diligence ist bei Gewerbe meist der längste Abschnitt.
Lohnt es sich, Leerstand vor dem Verkauf zu vermieten?
Meist ja, wenn der neue Vertrag eine marktübliche Miete und mehrere Jahre Laufzeit hat. Ein kurzfristiger Mieter zu niedriger Miete hilft dagegen kaum, weil der Käufer die Fläche weiter als Risiko rechnet.
Was kostet ein Makler beim Verkauf einer Gewerbeimmobilie?
Bei Gewerbeimmobilien ist die Provision frei verhandelbar, die Teilungsregel der §§ 656c und 656d BGB gilt nur für Wohnungen und Einfamilienhäuser an Verbraucher. Für Portfolios und Off-Market-Mandate vereinbart Berlin First individuelle Konditionen.
Ist ein Wohn- und Geschäftshaus eine Gewerbeimmobilie?
Steuerlich und in der Bewertung ein Mischobjekt. Wohn- und Gewerbeanteil werden getrennt bewertet und meist mit unterschiedlichen Liegenschaftszinsen angesetzt. Verkauft wird das Haus als Ganzes.
Über den Autor
Geschrieben von
Roberto Perrone
CEO, Berlin First Immobilien
Roberto Perrone ist Immobilienexperte bei Berlin First und begleitet seit 30 Jahren Verkäufe von Zinshäusern, Wohn- und Geschäftshäusern und Portfolios in Berlin und Brandenburg.

